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Galerie Göttlicher |
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DU FEI - Textile Gestalt |
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Dauer der Ausstellung: |
28. Juni bis 9. August 2003 |
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Eröffnung: |
Samstag, 28. Juni 2003 um 18 Uhr |
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Eine kühne Behauptung als Anfang.Kombiniert mit dem Materialismus hat die Dialektik oft politisches Unheil mit sich gebracht. Heute Abend haben wir mit den Arbeiten von Peter Paskiewicz und Du Fei ein überzeugendes Beispiel dieser Macht der Synthese. Aber zuerst zu These und Antithese.In Bezug auf die Kultur. Auf der einen Seite die Kultur Europas, auf der anderen die Chinas. In Bezug auf die Sprache Auf der einen Seite deutsch als Muttersprache, auf der anderen chinesisch. Die eine eine stark inflektierte Sprache mit Ablauten, Umlauten und Mehrzahlbildungen und Zeitwortformen ohne Ende. Die andere eine immer weiter fortschreitende phonetische Vereinfachung, die zu einer wachsenden Zahl von gleichklingenden Wörtern geführt hat. Als Ergebnis ist Chinesisch äußerst kurz und prägnant - trotz der tausenden Schriftzeichen; Deutsch dafür neigt zu Füllwörtern und oft abstrusen Nebensätzen - mit Hilfe von nur 26 Buchstaben. In Bezug auf die Lebenserfahrung Auf der einen Seite ein langwieriger Prozess des sich Etablierens ohne Kompromiss, auf der anderen eine Kulturrevolution mit seinen unvorstellbaren Auswirkungen. In Bezug auf das Material Auf der einen Seite schwerer - oft tonnenschwerer - harter, fast unbeugsamer Stein, auf der anderen weiche langfaserige Wolle. Auf der einen Seite braucht der Künstler eine unendliche Weite, auf der anderen verlangt die Künstlerin eine intensive Enge. Rudyard Kipling war der festen Überzeugung, dass das Morgenland Morgenland bleibt und das Abendland Abendland - ohne dass die zwei je zusammenkommen. Heute aber können wir sehr wohl sehen, wie Kiplingsche Gegensätze sich treffen und gegenseitig ergänzen - zu einer wahren Synthese. Als Teil ihrer Ausbildung hat Du Fei, die aus einer künstlerischen Dynastie stammt, eine Fertigkeit sowohl in chinesischer wie auch in europäischer Kunst vorweisen müssen. In ihren Arbeiten sieht man die Liebe zum genauen, fast formalen Detail wie auch eine Neigung zur Abstraktion. Die erste Eigenschaft ein Grundzug der chinesischen Kunst, die zweite ein Charakteristikum der europäischen Kunst - und fast unbekannt in der traditionellen Kunst Chinas. Eine Sekunde lang beim Betrachten ihrer Wandteppiche - aber nur eine Sekunde lang - wir man an Modigliani oder Bauhaus erinnert. Ihre Arbeit aber steht für sich - ohne Bezug an Vorbilder, mit einer Vorliebe für geometrische Formen, sanfte Farben und mathematische Genauigkeit. Diese Genauigkeit findet man auch in den Arbeiten von Peter Paskiewicz. Wie bei Du Fei eine totale Vertiefung ins Material. Ebenso wie bei Du Fei, ein haptisches Erlebnis. Die Arbeiten verlangen danach, befühlt zu werden. Kunst wird man wahrscheinlich nie begreifen, aber hier haben wir eine Kunst, die man im wahrsten Sinne des Wortes begreifen muss. Dem Werk von Peter Paskiewicz nähert man sich nicht durch Ratio - sondern durch die Faszination und Emotion. Beide Künstler sind frei von jedem Versuch sich geschichtlich zu positionieren. Das wird vermutlich, die Aufgabe der Kunsthistoriker werden, die alles kategorisieren und katalogisieren wollen. Für beide Künstler ist die Gegenwart das Wichtigste - und wie man sich damit auseinandersetzt. Oder wie Peter Paskiewicz einmal schrieb: ,Das jetzt, der Augenblick, ist die Realzeit, in der wir Entscheidungen treffen können'. In ihrer Auseinandersetzung mit der Gegenwart haben beide etwas Puristisches und Elementares an sich.
Es mag sein, dass die Materialauswahl, Formüberlegung und Oberflächenwirkung eine viel größere Rolle
in der Skulptur spielen, aber in der Tapisserie ist die Präzision ebenso präsent, wie auch die
Zurückhaltung. Obwohl unverkennbar Produkte der Gegenwart ziehen die Arbeiten beider Künstler Konsequenzen aus ihrer Vergangenheit. Beide haben eine lange künstlerische Laufbahn hinter sich. Du Feis langer Marsch (um Mao-Tse Dong zu zitieren) begann an der Hochschule für angewandte Kunst in Beijing. Von dort, nach einem Zwischenstopp in Chongqing, wo sie einen Lehrauftrag für Textile Gestaltung und Modedesign innehatte, kam sie nach Wien und studierte bei Prof. Moosmann an der Angewandten. In Krems hat sie an allen drei, von der Galerie Göttlicher organisierten Fahnenfestivals teilgenommen, die uns lang in Erinnerung bleiben werden - und vor fünf Jahren hatte sie eine Einzelausstellung hier in der Galerie Göttlicher. Bis jetzt sind ihre Werke - und sie hat sich nicht nur auf Wandteppiche beschränkt [ihre Grafiken zeichnen sich durch ihre Formsprache und Farbgefühl aus] - in Amerika, Deutschland, China, Korea und Frankreich ausgestellt worden. Peter Paskiewicz Laufbahn begann an der Akademie für bildende Kunst in Wien. Seitdem hat er seine großartigen Spuren in Norwegen, Deutschland, Indien, Polen und Tschechien hinterlassen - wo er an internationalen Bildhauersymposien teilnahm. In Osterreich hat er eine leitende Rolle gespielt (und spielt sie immer noch) bei den Bildhauersymposien in St Margareten, Prägarten am Großvenediger und vor drei Jahren hier in unmittelbarer Nähe, im Herzen des Weinviertels - in Klement, wo er dem Wachauer Marmor eine neue künstlerische Dimension verlieh. Die Reduktion und Abstraktion, die man in den kleinen Objekten hier im Raum förmlich spüren kann, sind ebenso stark in den größeren Stücken - in einer ganz anderen Umgebung. Peter Paskiewicz schrieb einmal: ,Ein altes (nicht mehr gebräuchliches) chinesisches Schriftzeichen,
das für Kunst - und Kultur - steht, zeigt eine knieende Gestalt, die in der ausgestreckten Hand einen
Zweig mit Blättern hält. Kunst versteht sich da als Verhältnis zur Natur.' Ich muntere Sie auf, sich auf die Reise in die Gegenwart zu begeben. In den Fingern der beiden Künstler wie auch in den Fingern des Betrachters liegt die Kunst. Man muss sich nur den Weg zum Ziel ertasten.
Peter Lillie, Juni 2003 |
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